über mich

Mein Name ist Nina Oechsli. Das -li verrät es, ich komme aus der Schweiz, wo ich als Buchhändlerin eidgenössisch diplomiert wurde. Während eines Praktikums beim Zsolnay/Deuticke Verlag verlor ich mein Herz an Wien, wanderte aus, studierte Psychologie und konnte es mit dem Buchhandel doch nicht lassen. Ich habe von den Besten gelernt (Danke sec52) und gebe mir alle Mühe, dass auch Oechsli Buch&Papier ein Ort der Inspiration wird und die Begeisterung ansteckend wirkt.

Meine Regale sind gefüllt mit Büchern, die mein Leben begleiten, die ich gelesen habe, die ich gerne lesen würde, die ich lesen sollte, nach denen ich kochen oder bekocht werden will, die mir ans Herz gelegt wurden und die ich ans Herz legen möchte, die ich im Süden Griechenlands auf der Terrasse lesen möchte, die mir fade Regenwetterstunden kurzweilig machen sollen, nach denen ich Wien immer wieder neu entdecken kann, die vorgelesen noch schöner sind, die mein Heim- und Fernweh wecken und stillen und die mich gescheit und weise machen.

Und weil man nicht immer nur lesen kann, sondern auch einmal schreiben sollte, gibt es bei Oechsli Buch&Papier auch Notizhefte- und Bücher, Postkarten, Photoalben und Kostbarkeiten aus Wiener Letterpressen.

Und das schreibt Petra Piuk über mich:

Autoren und Autorinnen haben nicht nur zu ihren eigenen Büchern eine besondere Beziehung. Um ihren Lesehunger zu stillen, zieht es nicht wenige von ihnen immer wieder in ihre spezielle Lieblingsbuchhandlung. Bei Petra Piuk ist das etwas anders, dennoch hat sie Geschmack an der Wiener Buchhandlung Oechsli gefunden.

Ich mag Buchhandlungen. Klar. Eine Lieblingsbuchhandlung habe ich aber nicht. Ich mag auch Eissalons, aber wenn mich jemand fragen würde, welcher Eissalon mein liebster ist, wüsste ich keine Antwort. Am liebsten gehe ich in Eissalons, die ich nicht kenne. Die Eissorten im Angebot haben, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Orange-Chili. Oder Waldbeere-Basilikum. Selbst Schokoladeeis schmeckt überall anders, und das herauszufinden, macht mir Spaß. Aber hier geht es natürlich nicht um Eissalons.

Mit Buchhandlungen ist es aber genauso. Am liebsten gehe ich in Buchhandlungen, die ich nicht kenne. Die ich auf meinen Reisen zufällig entdecke. Ich reise gern allein und ohne Plan. Selten an einen Ort ein zweites Mal. Lasse mich durch die Straßen und Gassen von Neapel, Havanna, Lissabon, Kapstadt oder Santiago de Chile treiben. Und wenn ich an einer Buchhandlung vorbeikomme, gehe ich hinein. Ich werde dann zum Kind, gehe umher, sehe mir alles an, streiche über Buchrücken. Bin gespannt, welche Bücher mich im nächsten Regal, im nächsten Raum oder auf der Galerie erwarten. Lasse mich überraschen. Kaufe ein Buch. Meistens zwei. Und ein Schreibheft für Reisenotizen.

Manchmal beneide ich Menschen, die eine Stammbuchhandlung haben. Eine Art zweites Wohnzimmer, in dem sie sich zu Hause fühlen. Wo sie von der Buchhändlerin oder dem Buchhändler des Vertrauens herzlich begrüßt werden, vielleicht mit einer Tasse Tee. Bestimmt hat auch ein Stammeissalon seine Vorteile. Man weiß, was man bekommt. Wie cremig das Erd­beer­eis ist und wie süß. Menschen, die einen Lieblingseissalon, ein Lieblingskaffeehaus, ein Lieblingsurlaubsland, eine Lieblingsbuchhandlung oder ein Lieblingsirgendwas haben, scheinen mir ausgeglichener. Zufriedener. Ich hatte noch nie ein Lieblingsirgendwas. Schon in der Schule scheiterte ich am Ausfüllen des Freundschaftsbuchs. Lieblingsurlaubsland? Ich bin eine Reisende. Eine, die sich unterwegs zu Hause fühlt. Die Städte und Länder entdecken möchte. Oder Buchhandlungen.


© Regine Hendrich
Autorin Petra Piuk (rechts) und die Buchhändlerin Nina Oechsli in der Buchhandlung Oechsli in Wien

Als ich vor Kurzem erfahren habe, dass es in Wien eine neue Buchhandlung gibt, bin ich mit der U-Bahn einmal quer durch die Stadt gefahren. Ins Servitenviertel. Mit Kopfstein gepflas­terte Straßen, kleine Läden und Cafés, Theater und Museen. Hier hat sich Nina Oechsli einen Traum erfüllt: eine eigene kleine Buchhandlung, die so bezaubernd ist wie das ganze Viertel. Ninas Leidenschaft für ihren Laden und die Literatur spürt man sofort. Sie zeigt mir Romane, die sie begeistert haben. Ich höre ihr gern zu. Blättere durch die Bücher. Sehe mir das bedruckte Schreibpapier und die Notizhefte an. Wunderschöne handgefertigte Hefte. Wäre die Buchhandlung Oechsli ein Eissalon, würde es Sorten wie Rose-Koriander oder Vanille-Kardamom geben. Ich kaufe ein mango-safran-gelbes Schreibheft und einen Roman, bei dem Nina ins Schwärmen kommt, und verlasse glücklich den Laden. Nicht einmal die Tatsache, dass die meis­ten Wiener Eissalons im Winter geschlossen haben, kann mir die gute Laune verderben.